Projektvorstellung

„Die Frage aber lautet: Kann die Geschichte des Holocaust überhaupt vermittelt werden? Ich glaube
nicht. Trotzdem, wir müssen es versuchen.“ (Eli Wiesel 1998, 39)

Das Projekt ist darauf ausgerichtet, präventiv gegen Rassismus, Neonazismus und Antisemitismus vorzugehen. Dies wird durch eine Vermittlung grundlegender demokratischer Moral- und Wertvorstellungen, die auf Grund- und Menschenrechte ausgerichtet sind, erreicht. Deshalb steht nicht die Vermittlung historischen Wissens im Zentrum des Projektes. Vielmehr wurde mit einem biografischen Ansatz gearbeitet, der den Kindern den Anschluss auf einer empathischen Ebene ermöglicht und somit auf die explizite Darstellung von Grausamkeiten verzichtete. Die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, also Verständnis für spezifische Lebenssituationen und Entscheidungen zu wecken und die Förderung von Wärme und eines Klimas des Vertrauens, von Geborgenheit, Sicherheit und Offenheit wurde von Beginn an der in den Mittelpunkt der Projektdurchführung gerückt. Wichtiger Aspekt hierbei war die Konzentration auf die Entwicklung für ein Bewusstsein von Autonomie, also der Fähigkeit zum Nachdenken und zur Selbstbestimmung (vgl. Abram 1998).
Diese Schwerpunkte bilden das inhaltliche Grundgerüst von „Begegnungen“. Sie orientieren sich an dem von Abram und Mooren entwickelten Drei-Punkte- Programm für drei- bis zehnjährige Kinder, indem es sich eigentlich um „Erziehung nach Auschwitz ohne Auschwitz“ handele (vgl. ebd.). Da „Begegnungen“, anders als im Modell von Abram/ Mooren, für Kinder von acht bis zwölf Jahren ausgerichtet war, ist unser Ansatz von einer Erweiterung der Thesen von Abram/ Mooren gekennzeichnet, indem wir Zwischenstufen einbauen und so die Kinder zum handelnden Subjekten in Anknüpfung an ihr Vorwissen machen. So konnte nach Bedarf und Einschätzung auch auf „Mechanismen und Umstände, die Menschen zu Aggressoren und Mördern machen und Strukturen der Vernichtung [kennzeichnen]“, eingegangen werden (vgl. ebd.). „Die Kinder [konnten] ihren Fragen zu Ereignissen, die Nationalsozialismus, Krieg, Judenverfolgung und Holocaust betreffen, nachgehen (...) und klare, verständliche Informationen erhalten“ (Beck 1996), was wiederum eine Strukturierung des eigenen Wissens bedeutete. Deshalb folgen wir Beck, die es für die Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex für unerlässlich hält, Kindern „Geschichten“ zu vermitteln, „in die sie sich aufgrund des Vergleichs mit eigenen Erfahrungen einfühlen und eindenken können, und die zugleich deutlich werden lassen, wie sich die politischen Ereignisse und Maßnahmen auf das Leben einzelner Menschen ausgewirkt haben. Hierfür brauchen Kinder Zeit und die Möglichkeit, eigene Zugänge, Materialien und Aufgaben wählen zu können“ (ebd.).

Im Mittelpunkt des Projektes standen Zeitzeugenberichte jüdischer Kinder und was ihnen und ihren Familien geschah. Da die Durchführung des Projektes ausschließlich in Sachsen stattfand, wurden hierfür Zeitzeugenberichte sächsischer Überlebender ausgewählt. Durch diesen regionalen Bezug war es den Kindern möglich, einen Vergleich zwischen sich und der jeweiligen Familiengeschichte herzustellen. Die didaktisch-methodische Ausrichtung orientierte sich an den Vorkenntnissen und den kognitiven Vorraussetzungen der jeweiligen Altersstufe. Die Möglichkeiten, das Gehörte und Erfahrene (z.B. Lebensläufe und gesellschaftliche Zusammenhänge und Realitäten) zu verarbeiten, waren vielfältig und wurden von den Kindern selbstbestimmt ausgesucht. Die Möglichkeiten zur individuellen Auseinandersetzung wurden von Methoden der aktiven und rezeptiven Medienarbeit im Sinne einer handlungsorientierten Medienpädagogik unterstützt. Die Kinder arbeiteten also in den Bereichen Audio, Bildgestaltung, Fotografie, Collagearbeit und Kreatives Schreiben. Im Laufe des Projektes entstanden so eine Vielzahl von Ergebnissen, die auf dieser Webseite präsentiert werden. Während die Kinder sich kreativ auslebten, war es der Projektleitung möglich, mit den Kindern einzeln oder in kleinen Gruppen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über das Projekt zu reflektieren. Zusätzlich ließ sich anhand der kreativen Arbeiten erkennen, womit sich jedes einzelne Kind im Detail beschäftigte. Hier konnte intensiv auf ungeklärte Fragen und Verständnisprobleme eingegangen werden.